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Galerie Förster

Frau Professor Dr. Brigitte Zimmer

Palmen, die Fürsten des Pflanzenreichs

Palmen sind die Symbolpflanzen tropischer Regionen und verbreiten ein exotisches Flair. Sie versetzen in Urlaubsstimmung und verleiten zum Träumen. In ihrer Heimat prägen sie oft das Landschaftsbild. Vor allem ihre großen baumförmigen Vertreter mit den majestätischen Blattschöpfen sind beeindruckend. Typische Beispiele sind die weit verbreitete Kokospalme (Cocos nucifera), die indo-malayische Zuckerpalme (Arenga pinnata), die westafrikanische Ölpalme (Elaeis guineensis) und die karibischen Königspalmen (Roystonea).

Abb. 1: Die Nationalpflanze von Kuba, die
Königspalme (Roystonea regia), am natürlichen
Standort in der Sierra de Los Organos, in der
Provinz Pinar del Rio
(Foto: Octavio Avila López).

Fossile Funde belegen, dass Palmen bereits gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren auf unserem Planeten verbreitet waren. Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné (1707-1778) hat sie als „Principes“ - Fürsten des Pflanzenreichs - bezeichnet und stellte sie in eine eigene Klasse. Palmen sind Blütenpflanzen und gehören zur Gruppe der Einkeimblättrigen (Monokotyledonen), wie beispielsweise die Gräser, mit denen sie verwandt sind. Mitte des 18. Jahrhunderts wies der Direktor des Berliner Botanischen Gartens, Johann Gottlieb Gleditsch (1714-1786) an einer Zwergpalme die Sexualität von Pflanzen erstmals nach. Gleditsch hatte beobachtet, dass das weibliche Berliner Exemplar zwar blühte, aber keine Früchte entwickelte. Daher ließ er aus Leipzig Pollen einer männlichen Pflanze kommen und nahm eigenhändig die Bestäubung vor. Das Experiment war erfolgreich und es entwickelten sich keimfähige Samen.

Abb. 2: Blühende Zwergpalme
im Berliner Botanischen Garten
(Foto: Ingo Haas, BGBM).

Die Palmen (Arecaceae) sind eine alte, hauptsächlich tropische Pflanzenfamilie mit etwa 210 Gattungen und ungefähr 2800 Arten. Die östlichen Tropen sind das bei weitem palmenreichste Gebiet. Dort gedeiht etwa die Hälfte aller Arten. Es gibt aber auch einige wenige Vertreter in subtropischen und gemäßigten Gebieten (z.B. Europa). Von den 20 Arten, die heute im westlichen Mittelmeergebiet vorkommen, sind nur drei dort heimisch: die bereits erwähnte Zwergpalme (Chamaerops humulis), die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), sowie die Kretische Dattelpalme (Phoenix theophrasti).

Dass die Kokospalme heute alle tropischen Küsten besiedelt, hängt mit der Verbreitung ihrer Steinfrüchte, der bekannten Kokosnüsse, zusammen. Diese sind salzresistent und besonders „reiselustig“. Sie können, dank einer stark lufthaltigen, faserigen Schicht, 3-4 Wochen lang mit den Ozeanströmungen treiben und dabei weite Entfernungen (angeblich bis zu 4500 km) zurücklegen. Spätestens dann müssen sie angelandet sein, da sie nach dieser Zeit nicht mehr keimfähig sind. Im Wasser sind die Keimlinge nicht lebensfähig.

Abb. 3: Die "erotische" Seychellennuss
aus der Frucht- und Samensammlung
des Botanischen Museums Berlin-Dahlem
(Foto: Ingo Haas, BGBM).

Auf ein enges Gebiet beschränkt ist dagegen die Seychellennusspalme (Lodoicea maldivica). Sie kommt nur noch auf den beiden Seychelleninseln Praslin und Curieuse vor. Seefahrer, die die Früchte lange vor der Entdeckung der Pflanze sichteten, spekulierten, dass sie von einer mysteriösen Ozeanpflanze abstammten. Da man ihre Heimat zuerst in den Malediven vermutete, erhielt sie den irreführenden lateinischen Artnamen maldivica. Die 15 bis 30 kg schweren Steinfrüchte werden auch als Doppelkokosnuss oder Coco de Mer bezeichnet. Sie sind die schwersten aller Palmenfrüchte und nicht schwimmfähig. Wegen ihrer „erotischen“ Form und ihrer Seltenheit, waren und sind sie begehrte und teuer gehandelte Sammelobjekte. Dadurch wurde die natürliche Regeneration der Populationen stark beeinträchtigt. Heute ist die bedrohte Art geschützt und der Handel der Nüsse unterliegt strenger Kontrolle. Ihre Samen gehören ins Guinnessbuch der Rekorde. Sie sind die größten des gesamten Pflanzenreichs.

Nichtbotaniker kennen vor allem die einstämmigen, immergrünen baumförmigen Formen. Aber zu den Palmen gehören auch Lianen, wie die mit etwa 370 Arten umfangreichste Gattung Calamus (Rotangpalmen), oder auch niedrigere, kurzstämmige Vertreter (z.B. die Bergpalmen, Chamaedorea). Im Gegensatz zu unseren Laubbäumen haben die mächtigen Stämme der Palmen kein sekundäres Dickenwachstum. Bevor sie in die Höhe streben, bildet der Keimling einen umgekehrt kegelförmigen Vegetationskegel aus, der bis auf wenige Ausnahmen (z.B. die Flaschenpalmen, Hyophorbe) den späteren Stammumfang bereits endgültig festlegt. Imponierend ist die Wuchshöhe der Wachspalme (Ceroxylon quindiuense). In ihrer Heimat, den kolumbianischen Anden, kann sie unter optimalen Bedingungen bis zu 60 m hoch werden. Sie stellt mit ihrer Größe alle anderen Palmen in den Schatten. Zu den längsten Pflanzen der Welt zählen die bereits erwähnten kletternden Rotangpalmen. Ihre langen, seilartigen, biegsamen Sprosse erreichen in freier Natur Längen von bis zu 150 bis 200 m.

Die Blätter der Palmen werden an der Spitze der Stämme gebildet. Das junge eingefaltete Blatt ist noch ungeteilt und steht schwertförmig aufrecht im Zentrum des Schopfes. Die Faltenbildung erfolgt während des Wachstums in der Knospe. Der breite Blattgrund bildet am Spross oft eine sehr große Scheide. Obschon die Blätter der einzelnen Arten sehr verschieden gestaltet sein können, werden die Palmen aufgrund ihrer Blattform zwei Hauptgruppen zugeordnet: den Fieder- oder den Fächerpalmen. Das gefiederte Blatt der Bastpalme (Raphia farinifera) soll sogar das größte aller Blütenpflanzen sein. Es kann 15 bis 20 m lang werden. Immer wenn ein altes Blatt abstirbt, wird ein neues gebildet. Manche Blätter hängen nach dem Absterben noch länger am Stamm herunter, wie beispielsweise bei Washingtonia filifera. Diese erhielt daher auch den treffenden Namen Petticoatpalme. Blattreste abgefallener Blätter hinterlassen bei einigen Arten an den Stammoberflächen dekorative Narben und Ringe.

In der Regel sind die Blüten der Palmen in Blütenständen vereinigt. Sie werden meist seitlich in den Achseln der Blätter angelegt und werden im Jugendstadium von einem Hüllblatt umgeben. Die Blüten können weiblich, männlich oder zwittrig sein. Es gibt Palmenarten, bei denen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen stehen, während sie bei anderen im selben Blütenstand auftreten. Die Bestäubung der Blüten kann sowohl durch den Wind als auch durch Insekten erfolgen. War die Pollenübertragung und Befruchtung erfolgreich, entwickeln sich an den weiblichen oder zwittrigen Blütenständen entweder Beeren- oder Steinfrüchte mit ihren Samen. Die männlichen Pflanzenteile verdorren.

Wirklich außergewöhnlich sind die reich verzweigten, mächtigen Blüten- und Fruchtstände der Schopfpalmen (Corypha), die an der Spitze der Stämme gebildet werden. Wie riesige Kronleuchter thronen sie über den imposanten, herabhängenden Fächerblättern. Mit einer Höhe von 8 bis 10 m gehören sie zu den größten im Pflanzenreich. Sie sollen 60 bis 100 Millionen Blüten enthalten. Es dauert schon einige Zeit, etwa 50 bis 70 Jahre, bis die Schopfpalmen blühen und fruchten. Da sie anschließend absterben, sind sie wirklich einmalig!

Wichtiger als der exotische Reiz der Palmen ist jedoch ihr ausgesprochen vielfältiges Nutzungspotenzial. Verwendung finden nahezu alle Organe: Stamm, Blätter, Blüten und Früchte, mit Ausnahme der Wurzeln. Sie liefern Nahrung (z.B. Salat, Gemüse, Getränke, Futter für Schweine) und Rohstoffe für unzählige Erzeugnisse (z.B. Fasern und Peddigrohr für Körbe, Matten und Seile; Tragebalken für den Hausbau, Deckmaterial für Dächer). Außerdem sind sie beliebte Ziergewächse. Wirtschaftlich wichtige Produkte sind Datteln, Kokosnüsse, Öl, Palmwein, Palmzucker und Sago. Deshalb haben Palmen das menschliche Denken und die Fantasie schon in frühester Zeit beflügelt. Sie spielen in Mythologie, Brauchtum, Religion, Wissenschaft eine wichtige Rolle - und natürlich auch in der Kunst.