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Galerie Förster

Kristina Fiand & Ernst Groß

"I will survive" - Holzskulpturen und Reliefs

14. Juni - 27. Juli 2013

 

Erläuterung zu der Ausstellung

„I will survive“

Der Überlebenskampf in der Metropole ist ein anderer als auf dem Land. In unserem Dorf sind wir umgeben von freier Landschaft, viel Grün und weitem Himmel. Es geht ums Nötigste: Arbeiten, Heizen und Holz transportieren, Garten, Tiere versorgen, Kochen und Wäsche waschen und selten einmal einkaufen, also insgesamt wenig Ablenkung. Termine werden gesetzt durchs Vereinsleben… Es ist ruhig und man grüßt alle, selbst beim Autofahren.

In Berlin legt man große Strecken mit Verkehrsmitteln zurück, um an Bestimmungsorte zu gelangen. Das Bahnfahren zeichnet sich durch eine hohe Menschendichte aus, ohne mit diesen Leuten irgendetwas zu tun zu haben. Augenkontakt wird deshalb vermieden. Aufgefallen ist mir bei meinem letzten Besuch, dass viele Leute angezogen sind, als wollten sie an einer Survival-Tour teilnehmen. Tarnjacken, Wanderschuhe, Rucksäcke, dicke Wollmützen und viele Hunde, so als wäre Berlin im wahrsten Sinne ein Großstadtdschungel.

Das Thema  „I will survive” beschäftigt sich in Kleinskulpturen, Stelen und Reliefs deshalb allgemein mit fiktiven Überlebensstrategien, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Bei den Edekafrauen von Kristina Fiand geht es längst nicht mehr um das rudimentäre Einkaufen von Lebensmitteln in dörflicher Umgebung. In ihrer Berliner Kleinserie befasst sie sich mit Orientieren, Sparen, Einmachen, sich Durchboxen, Ablenken, Ernähren, Recyclen, Ruhe suchen, Engagieren, Geld verdienen, Prostituieren und sich immer wieder neu erfinden.

In den Stelen der Bildhauerin werden diese Motive noch auf die Spitze getrieben. Die Jägerin nutzt die Waschbärenplage der Großstädte, um zu ihren Wurzeln zurückzufinden und wird zur fallenstellenden Pelzerbeuterin.  Das Knopfmädchen trägt seinem Reichtum direkt auf der Kleidung, um sein kleines Eigentum zu sichern.

Ernst Groß bremst seine potenten Autofahrer mit banalen Objekten des Alltags aus und stiftet so neuen Sinn. Ein Statussymbol mutiert zur Transportmaschine oder zum Werbeträger und lässt eine existentielle Not seines Besitzers erahnen, die unterschiedlichste Geschichten erzählt, oder zur Schau gestellte Transparenz in Form einer Steuer-CD bewahrt den Hinterzieher vor einer Haftstrafe oder lässt die Wurzeln seines Reichtums erahnen(Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind beabsichtigt).

Durch die Reliefs des Bildhauerpaars spinnt sich der rote Faden weiter und wird im Duktus der individuellen Bildsprache interpretiert. Der künstlich angefachte „shitstorm“ der Worte mutiert unkontrollierbar zum entfesselten Taifun der anonymen Kommentare bei Ernst Groß.  Fiand zieht die leisen und dunklen Register einer Paarbeziehung im antiken Hochzeitsbild, in der das Kräftemessen und das Rückerinnern an die gemeinsam gelebten Splitter einer nicht immer harmonischen Beziehung bleiben.

Kristina Fiand, Mai 2013