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Galerie Förster

Susanna Storch

Human Disaster

Malerei

3. Mai - 14. Juni 2008

Der Schwerpunkt von Susanna Storchs künstlerischer Arbeit ist die Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Verhältnissen. Der existentiell bedrohte Mensch steht bei ihr im Vordergrund. Sie will auf soziale Missstände aufmerksam machen und die Sinnlosigkeit und Brutalität aktueller Kriege dokumentieren.

Die Hintergründe für ihre figürlich gemalten Bilder spachtelt Susanna Storch zunächst weiß, oft als leere Fläche, aus der die Gestalten dann in wenigen Farbnuancen im Bereich Weiß-Grau-Blau-Braun plastisch hervortreten. In dieser unbestimmbaren Umgebung verharren sie in befremdlicher Distanz.

Ihre Motive findet die Künstlerin auf Pressefotos und Videos. Durch tägliche Berichterstattung sind wir Bildern menschlichen Leids gegenüber abgestumpft. Beim Betrachten eines Gemäldes kann aber anders wahrgenommen werden als beim gewohnten Anschauen von Fotos in Zeitschriften. Susanna Storch will den Opfern der Kriege Raum auf ihren großformatigen Leinwänden geben, ihnen Beachtung verschaffen und so gegen das Vergessen und Verdrängen wirken.

Statement der Künstlerin:

Zu den ersten Bilder, die uns aus dem Irak-Krieg zugespielt wurden, gehörten die von den Amerikanern filmreif in Szene gesetzten rasend vorrückenden Panzer im irakischen Wüstensand, kunstvolle Darstellungen von selbstbewussten Soldaten und glücklichen Befreiern und Befreiten. Ein unerträglich dummer Betrug. Es gibt keine glücklichen Schlachten, die im Krieg geschlagen werden!

In meinem politischen Verständnis ist Krieg eine Zeit, ein Ort, eine Situation, in der Menschen gezwungen sind, die Abgründe des Menschlichen zu sehen, in diesen Abgründen zu überleben. Die Bilder, die bald darauf aus dem Irak zu uns kamen, zeigten dann auch in grausamer Zwangsläufigkeit die Schrecken des Krieges: Tote, Gedemütigte, Witwen, Traumatisierte, Hilflose, Waisen, Gefolterte.

Bei der großen Anti-Kriegs-Demonstration in Mainz bin ich mit einem Transparent auf die Straße gegangen, auf dem ein Gefangenenlager im so genannten Iraqi Freedom zu sehen ist. Zaun und Wachtürme am rechten Horizont des Bildes, ein unter einer Decke verhüllter menschlicher Körper im Vordergrund, tot oder lebendig, in jedem Fall am Boden, gesichtslos, unendlich allein. Ein Pressebild, das um die Welt ging. So begann meine künstlerische Beschäftigung mit dem Krieg und seinen Folgen für das Mensch-Sein. Politisch engagiert war ich schon immer und dieses Engagement kann ich jetzt in meinem Medium, der Malerei, ausdrücken; in Kriegsbildern gegen den Krieg.

Meine Motive finde ich auf Pressefotos, im Internet und auf Videos. Es sind Bilder, die eigentlich jeder sehen kann, bevor ich sie gemalt habe. Aber Kriegsbilder zu sehen ist im Zeitalter der Massenmedien zur Gewohnheit geworden. In Zeitungen und Magazinen kann man an ihnen vorbei blättern, im Fernsehen zu ihnen hin und wieder weg zappen, sich im Internet durch klicken. Wenn ich ein Kriegsbild male, versuche ich diese Flüchtigkeit anzuhalten, die den Informationsmedien eigen ist, Gewohnheiten zu stören, die zu beiläufigen Betrachtungen der Schreckensbilder ohne echte Wahrnehmung führen.

Ich selbst lasse mich, wenn ich Kriegsbilder ansehe, von ihnen berühren, schaue genau hin, in die Gesichter, auf denen sich schreckliche Erlebnisse spiegeln, versuche, die Gesten erlebter Grausamkeit zu lesen. Ich löse zuweilen eine Figur aus dem Kontext der Fotovorlage heraus. Das Mädchen zum Beispiel, das allein am Boden hockt, hat eben seine Eltern verloren; sie sind aus Versehen erschossen worden. Das Kind steht für mich mit seiner Verzweiflung und Fassungslosigkeit für die ganze Situation. Um die Macht der Zerstörung von Krieg und Terror zu zeigen, brauche ich keine Toten in Blutlachen. Der Mensch interessiert mich, der durch den Krieg existenziell bedroht ist. Der Schrecken des Krieges soll in dem Erschrecken, das der Mensch zeigt, den ich male, erkannt werden.

Indem ich den Opfern des Krieges Raum auf großformatigen Leinwänden gebe, versuche ich, ihnen Zeit zu verschaffen, die man sich beim Betrachten eines Gemäldes eben doch eher nimmt als bei einer Fotostrecke in der Illustrierten. Meine Bilder sollen gegen das Vergessen und Verdrängen wirken. Respekt hat etwas mit Sehen zu tun. Ich selbst mute mir immer wieder zu, genau hinzusehen. Mit meinen Bildern fordere ich diese Zumutung des genauen Hinsehens auch von anderen. Krieg darf einfach nicht zu einem Hintergrundrauschen aus dem Fernseher oder Blätterwald werden, er muss um des Menschen willen quälend präsent bleiben. Kunst hat, neben Erbauung, auch die Aufgabe, politisch zu sein und zu verstören.

Susanna Storch, Februar 2008

Interaktion

Auch wenn es zu unserem Konzept gehört, verschiedene andere künstlerische Ausdrucksformen auf die ausgestellten Werke reagieren zu lassen, verzichten wir dieses Mal auf eine Interaktion. Die Thematik fordert die ungestörte persönliche Begegnung des Betrachters mit dem Bild.