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Galerie Förster

Archeology of the Future II (c) Shai Saul

Behind All This Some Great Happiness Is Hiding, 2009, C-Print 80 x 60 cm

Shai Saul

„Behind All This
Some Great Happiness
Is Hiding“

Fotografie

10. Juni - 23. Juli 2011

 

Shai Saul zeigt in dieser Ausstellung, ähnlich wie in “Three Oaks“ 2009, das Spiel der Gewalten und Kräfte, das unsere Welt bestimmt. Dabei liegt sein spezielles Augenmerk auf dem Prozess des Austausches, des Wandels von einem System zum anderen, von einem Zustand zum anderen, oftmals nur unbedeutend und fälschlicherweise unwirklich erscheinend.

In seinem Werk scheint Saul die Kräfte zu erforschen, die wir interpretieren, um mit ihnen ein Verständnis der Wirklichkeit, wie sie sich vor uns entfaltet, zu konstruieren. Die Veränderungen der Gesellschaft, der Bevölkerung, der Rechtsprechung, Regierung, Umwelt, Landschaft und der städtischen Entwicklung sind oft in Illusionen gehüllt und mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft versehen. Wenn sie sich aber entfalten, erscheint das Trojanische Pferd und enthält ein Resultat, das weit von der vermeintlichen Absicht zur Zeit ihrer Gründung entfernt ist.

Shai Saul durchsucht Hinweise, studiert die Spuren, die in der Landschaft hinterlassen werden. Bei seinem Forschen erhofft er sich weder eine „Antwort“, noch dass sich etwas in Einklang bringen ließe, aber er sucht danach, einen kleinsten Halt, einen Kern zu finden, von dem aus sich eine übergreifende Wahrnehmung der Welt entwickeln ließe und, daraus abgeleitet, das Entfalten seines eigenen Verständnisses von seiner Aufgabe in dieser Welt.

Seine Fotografien zeigen Landschaften und Gebäude, deren Form der Mensch geprägt hat und in denen er deutliche Spuren hinterlassen hat, er selbst ist in den Bildern nicht anwesend. In der Serie “Terminal” sieht der Betrachter, wie Landschaft durch gewaltsame Eingriffe des Menschen vollkommen entstellt wurde, und ist trotzdem von der Ästhetik dieser entstandenen Strukturen fasziniert. Zu der Serie “Haste” gehören Bilder von verlassenen, zerstörten Häusern. Die zurückgebliebenen Überreste berichten vom Leben ihrer früheren Bewohner, sprechen eine eindringliche Sprache und erzählen von überstürztem Aufbruch und Flucht.

Shai Sauls künstlerischer Ansatz ist ein philosophischer, der dem Betrachter eine Fülle weiterführende Gedanken und Empfindungen vermittelt. Die Ästhetik seiner Arbeiten ist gleichermaßen faszinierend wie die dahinter stehende Aussage.

"Behind All This Some Great Happiness Is Hiding“ - mit dieser Zeile aus einem Gedicht von Jehuda Amichai überschreibt Shai Saul seine Ausstellung. Der Titel regt ein Nachdenken darüber an, was denn mit “All This” genau gemeint sei und ob mit der Verheißung “Great Happiness” eher eine zynische Meinung oder ein Augenblick behutsamer Versöhnung zum Ausdruck kommen könnte.

Primo Levy erklärt in seinem Buch “If this is a Man“ den Grund, seine Erlebnisse als Häftling in Auschwitz zu berichten. Unter anderem will er erzählen, was geschehen ist, damit nachfolgende Generationen in der Lage seien, über die Tragweite dessen, was ihm passiert ist, nachzudenken. Shai Saul hat sich vorgenommen, Levys Richtlinien zu folgen und nicht aufzuhören darüber nachzudenken.

Den Schwerpunkt von Shai Sauls künstlerischem Werk bildet die analoge Fotografie. Seine Arbeiten wurden in Israel, Deutschland, England und in den Niederlanden ausgestellt. Diese Ausstellung ist seine zweite Einzelausstellung in der Berliner „Galerie Förster“.

Gabriele Förster