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Galerie Förster

nobody there - Mady Piesold

"nobody there", 2011, Hufe auf Textil, Materialmix, 90 x 40 x 42 cm

Mady Piesold

nowhere

Malerei, Zeichnungen und Objekte

4. November - 17. Dezember 2011

Die junge Berliner Künstlerin Mady Piesold befasst sich mit Fragen der Zivilisation im Spannungsfeld zwischen dem Naturraum bzw. verschiedenen Vorstellungen davon und kulturbedingter Künstlichkeit. Speziell beschäftigen sie Fragen wie: Auf welche Stabilität ist die Zivilisation aufgebaut? Wie sehen die Zeichen aus, auf die sich Menschen im urbanen Raum stützen? Was ist gegenwärtig im Informationszeitalter für den Einzelnen greif- und fühlbar?

Im Hinblick auf diese Fragen interessiert sich Mady Piesold besonders für das Leben von Naturvölkern, deren Kultur und natürliche Ressourcen in den letzten Jahrhunderten stark beeinträchtigt wurden. Im Spätsommer 2011 verbrachte sie zwei Monate in verschiedenen Gebieten Alaskas, wo sie mit Eskimos zusammenlebte und nachhaltige Einblicke in eine fremde Kultur nehmen konnte.

Ihre Kunst, die ihr Zugang zu unbewussten Prozessen ermöglicht, ist für Mady Piesold auch ein Mittel, um mit Menschen zu kommunizieren, etwas über den Betrachter und über sich selbst zu erfahren. Ihr Interesse galt von jeher dem Fließenden, den Kreisläufen im Körper bis hin zu den aus der Luft gesehenen pulsierenden Stadtkörpern. Jetzt ist es besonders das Wasser in seinen verschiedenen Erscheinungsformen, das sie fasziniert.

In Alaska erlebte Mady Piesold den extremen Gegensatz des dortigen Lebens zu unserem westeuropäischen mit seiner rasenden Geschwindigkeit und den ständig parallel laufenden Aufgaben und Tätigkeiten. Dort lernte sie Geduld, Warten und Zuhören.  In einer Welt, in der sich die Umgebung ständig verändern kann,  zum Beispiel durch Schneelawinen und Eiseinbrüche, wo nichts sicher ist, geht es in erster Linie ums Überleben. Nicht einmal der Boden ist zuverlässig, man muss ihn beim Gehen wachsam beobachten und die Umgebung dabei wahrnehmen.

Das Tier, ein häufiges Motiv in Mady Piesolds Werken, stellt für sie das ursprüngliche, vollkommene Wesen dar, das durch den Menschen immer mehr aus seinen Lebensräumen vertrieben wird. Zu den Tieren in den Weiten Alaskas, zu ihrem natürlichen Kreislauf von Leben und Tod, Jagen und Gejagtwerden, fühlt sie sich hingezogen. Ihre mitgebrachten Funde ermöglichen beim Betrachter in besonderer Weise das Erleben von Bildern und Erinnerungen.

Gabriele Förster, Berlin, August 2011