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Galerie Förster

Meridian #307, 2007, Acryl auf Papier, 55 x 55 cm

Ray Malone

Malerei & Zeichnung

4. September - 17. Oktober 2009

 

Ray Malones Gemälde und Zeichnungen, die einem meditativen Moment entspringen, sind von großer Schönheit. Ihre äußerliche Schlichtheit steht im Widerspruch zu den komplexen Bedeutungen, die über ihr Entstehen Auskunft geben. Seine Arbeit basiert auf einer Anzahl grundlegender Interessen: Zunächst die Sprache der abstrakten Kunst selbst und die Möglichkeiten, ihr etwas hinzuzufügen oder ihren Bereich auszudehnen. Dann die Verbindungen, die zwischen der abstrakten Kunst und anderen Bereichen der Kunst bestehen, vor allem Architektur, Musik und Fotografie, außerdem ihre Beziehung zum Schreiben.

In seinen Gemälde-Serien ergründet Ray Malone die Wahrnehmung abgestufter Töne, wobei er drei Tonstufen einer Farbe verwendet. Es sind geradezu „langsame“ Arbeiten, die Zeit erfordern, um der subtilen Art der Formen zu ermöglichen sich zu zeigen. Nachdem die Farbe in ihrer ursprünglichen Intensität wahrgenommen wurde, erlebt der Betrachter beim fortgesetzten Schauen flüchtige Veränderungen, die Oberfläche bleibt im Widerspruch zu unserem Wunsch, sie festzuhalten, lebendig. Zwischen dem Betrachter und der Leinwand findet ein ständiges Bewegen statt, das sich auf die Objektivität des Werkes überträgt, so dass die Leinwand vor der Wand zu schweben scheint. Malones Anliegen wird deutlich: Was geschieht im Randbereich, welche Aufmerksamkeit sollte ihm zuteil werden?

Die „Beckett-Zeichnungen“ beziehen sich auf willkürlich gewählte Worte aus Werken Samuel Becketts. Die Buchstaben der Wörter bestimmen dabei die Anordnung der Linien und ihre Folge im Alphabet den Abstand zwischen ihnen. Bei durchnummerierter alphabetischer Folge steht die jeweilige Differenz für die Länge des Abstands. Ein kleiner Teil Sprache wird genutzt, um in Beziehung zu einer drastisch reduzierten Zeichnung zu treten. Die seltsame Eigen­ständigkeit von Worten tritt in Beziehung zu der scheinbar gnadenlosen Gradlinigkeit einer Linie. In Ray Malones Werk mischt sich Philosophisches mit Humor. Der „Verrücktheit“, die den Zeichnungen zugrunde liegt, geht Ray Malone durchaus mit Vergnügen nach und „ver-rückt“ damit die Seh- und Denkgewohnheiten der Betrachter.

Es ist kaum möglich, vor Ray Malones Werk passiv zu bleiben, man muss ihm einfach „begegnen“. Entweder geschieht dies durch eine starke emotionale Antwort auf die Kraft der Farbe, die Art, wie sie sich bewegt und kundtut, durch den Gefallen an den geometrischen Kompositionen, die ihren Ursprung sowohl in realen als auch empfundenen architektonischen Räumen haben, oder bei den Zeichnungen durch die Freude am Rhythmus der Linien und an der Originalität der Ideen, die ihnen zugrunde liegen.

In unserer schnelllebigen Zeit bietet Ray Malones akribisches und doch leidenschaftliches Werk eine Möglichkeit des Besinnens an, eine Atempause, in der man seine eigenen inneren und äußeren Welten wieder zusammenführen kann.