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Galerie Förster

Ute Krautkremer, Ray Malone,
Nina Neumaier, Mady Piesold und
Henning Rohde

Lust und Linie

Zeichnungen

11. Februar - 26. Mörz 2011

Drei Künstlerinnen und zwei Künstler stellen zum Thema „Lust und Linie“ Zeichnungen aus, völlig unterschiedlich in der Wahl der grafischen Mittel, in ihrer Vorgehensweise, in ihren Ideen und Absichten. Die verschiedenen Handschriften ermöglichen einen Blick in unterschiedlichste Innenwelten und machen die Ausstellung zum Feld für Entdeckungen, wo Positionen zwischen temperamentvoller grafischer Fantasie, hintergründigem Fabulieren und faszinierendem Minimalismus zu finden sind.

Wie asketisch streng eine Linie geführt werden kann, zeigt Ray Malone, der die Gerade erforscht, als Begrenzung eines Raumes, als Zeichen für An- aber auch Abwesenheit. In einer Folge kleiner Quadrate erlebt man ein Gedankenspiel, auch mit einem Anflug feinen englischen Humors. In zwei neuen großen Werken regiert die Diagonale die ästhetische ruhige Komposition, in zwei kleinen Arbeiten entstanden die parallelen Senkrechten nicht durch Linien sondern Einschnitte.

Auf überraschende Weise lassen andere der Linie lustvoll freien Lauf. Der Fluss des Stiftes, der Kreide, darf unkontrolliert, ohne in seiner schwungvollen Bewegung abgebremst zu werden, aus dem Impuls heraus die Fläche erobern und gestalten. Ute Krautkremers spontane Zeichnungen, schwarzen Kritzelspuren, hier und da mit sparsam eingefügtem Rot, verbinden sich in hellen Objektkästen mit Drahtlinien, welche ihren Verlauf in den Raum erweitern. Veränderte Positionen des Betrachters lassen dabei neue fantastische Formgefüge entstehen, bereichert durch die Schattenlinien des Drahtes.

Auch Nina Neumaiers Arbeiten sind mehrdimensional und verändern sich beim Betrachten nicht nur durch die Bewegung des Auges. Schon der leiseste Luftzug lässt die schwebenden Liniengefüge des einen Glases mit dem ihm zugewandten komplementären Pendant immer neue choreografische Formen erfinden. In jeweils weißen bzw. schwarzen Untergrund wurden Linien in freiem Schwung gezogen, in spontanem Rhythmus ziehen sie sich durch den Untergrund, Gestalt gewordene Zeichenlust. Daneben entstanden kleine Papierzeichnungen, auf denen die Linien nicht weniger temperamentvolle Kapriolen schlagen dürfen.

Henning Rohdes eigenwillige „Aphroditen“, stilisierte weibliche Akte, entstanden ebenfalls aus einer spontanen Geste heraus. Mit rasantem Schwung zieht er die Kreide rasch über die Papierfläche, mal steil gehalten den feinen Strich erzeugend, mal breiter frottageartig auf der rauen Oberfläche Schatten und Strukturen schaffend. Lustvoll scheinen sich seine Gestalten zu räkeln, sie tanzen, hüpfen, liegen herum und verführen den Betrachter durch ihre Leichtigkeit und frivole Heiterkeit.

Mady Piesold setzt ihre zarten Figuren in eine zum Teil grell bunte Umgebung. Der farbige Hintergrund stellt keine einfache Szenerie dar, sondern ist eine dichte, manchmal auch bedrohliche Welt, welche die gezeichneten Wesen fast verschlingt. Tier und Mensch befinden sich dort in eigenartigem Zusammenhang, manchmal erscheint ein Tier auch völlig isoliert. Ihr an Kinderzeichnungen erinnernder, auf den Umriss reduzierte Strich ironisiert den starken Cowboy sowie sein stolzes Ross und wirft durchgehend Fragen zum Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, speziell mit der Kreatur auf.

Februar 2011
Gabriele Förster