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Galerie Förster

Birgit Knappe

INSOMNIUM

Plastiken & Zeichnungen

19. April - 1. Juni 2013

 

Birgit Knappe, zum dritten Mal in der Galerie Förster präsentiert, zeigt diesmal plastische Arbeiten aus gebranntem und bemaltem Ton sowie Zeichnungen mit Ölfarben und Graphit, die auf Musik des Komponisten Detlev Glanert entstanden sind.

Die freiberufliche Künstlerin hat an der Universität der Künste studiert, einige Zeit an der Humboldt-Universität gelehrt, viele renommierte Stipendien erhalten und wird regelmäßig zu internationalen Bildhauersymposien eingeladen. Ihre Skulpturen befinden sich in großen Sammlungen, u.a. in der Berlinischen Galerie, und sind  im öffentlichen Raum über ganz Europa verteilt.

Birgit Knappe kannte und schätzte Detlev Glanerts Musik schon lange und hatte sich oft gefragt, ob diese auch Inspirationsquelle für ihr künstlerisches Werk sein könne. In Pozzuolo, einem kleinen Ort in Umbrien, in dem Birgit Knappe schon andere Werkreihen geschaffen hat, entstanden zwischen 2011 und 2013 sämtliche Arbeiten der hier gezeigten Ausstellung.

Zu Beginn versenkte sich die Künstlerin tagelang nur in das Hören eines besonderen Musikstücks, nämlich „Insomnium“ (Schlaflosigkeit), dem Adagio für großes Orchester aus Detlev Glanerts Oper „Solaris“, die er nach dem Roman von Stanislaw Lem komponiert hatte. Birgit Knappe durchdrang in völliger  Hingabe Struktur und Atmosphäre der Musik, erspürte zunehmend die komplizierten Schichtungen bis sie zur Essenz des Werkes durchdrang und ihre eigene Sprache dafür entwickelte. Es entstanden Reihen von farbigen Zeichnungen, die rhythmisch zusammengehörend bestimmte musikalische Erlebnisse verkörpern. Bevor sie den Roman gelesen hatte und über die Welten, die er beschreibt, überhaupt wusste, ließ Birgit Knappe intuitiv dessen Motive im wahrsten Sinne sichtbar werden. Im Nachhinein erstaunte es sie selbst, wie tiefgehend ihr Werk dem Text und der darauf bezogenen Musik entspricht.

Was in den Zeichnungen aufstrahlt, findet in den plastischen Arbeiten auf andere Weise Ausdruck. Die größeren Terracotten erzählen jede für sich eine geheimnisvolle, fremdartige Geschichte. Der Betrachter kann in Gedanken in die verschachtelten Verdichtungen steigen, rhythmische Durchdringung erleben, hineinfallen, empor klettern. Die kleinen Terracotta-Plastiken scheinen einen Klang nur kurz festzuhalten, ihn leicht zu bündeln, um ihn dann frei zu geben und beinahe davonfliegen zu lassen.

Gabriele Förster ·  Berlin ·  April 2013