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Galerie Förster

Jinran Kim - After the Rain

Jinran Kim

"After the Rain" - Malerei

7. September - 20. Oktober 2012

 

 

Jinran Kims Heimatstadt ist Seoul in Südkorea. Bevor sie 1994 nach Berlin zog, hatte sie sich schon für die deutsche Geschichte interessiert und auch mit der Sprache beschäftigt. In Berlin faszinierten sie von Beginn an die Ruinen des zweiten Weltkrieges, die Häuser, die noch Einschusslöcher aufwiesen. Es beeindruckte sie sehr, dass Erinnerung an die Zerstörung des Krieges erhalten wurde, wie zum Beispiel bei der Gedächtniskirche. In Seoul, das im Koreakrieg 1950-53 ebenfalls zerstört wurde, fehlen solche Zeugnisse völlig. Ruinen wurden dort sofort abgerissen und neue Häuser aufgebaut.

Jinran Kim arbeitet schon lange mit dem Thema Erinnerung, Vergänglichkeit und Tod. Ihre Werkreihe „Die letzte Matratze“, die vor zwei Jahren in der Galerie Förster ausstellt wurde, zeigt Lebensspuren von Menschen bis zu ihrem Sterben. Im Buddhismus wird der Körper am Ende des Lebens verbrannt, nur eine kleine Dose Asche bleibt zurück. Die Feuer eines Krieges hinterlassen Asche, die nicht nur an Gebäude erinnert, sondern an all die Menschen, die verbrannt sind. Für die Gemäldereihe „After the Rain“ hat Jinran Kim Holzasche aus Korea benutzt, die in der Kalligraphie verwendet wird. Fotos aus der Kriegs- und Nachkriegszeit waren ihre Anregungen. In ihren großen Gemälden tauchen Menschen nicht auf. Dadurch verstärkt sich die Stille noch mehr. Der Betrachter steht bekannten Gebäuden und Plätzen gegenüber, die ihn die Atmosphäre des Schreckens intensiv spüren lassen, aber gleichzeitig traumhaft unwirklich erscheinen. Die Aquarelltechnik erzeugt zum Teil etwas Schwebendes, etwas, das sich im nächsten Moment aufzulösen scheint, zusammen mit dem Rauch der Detonationen.

Max Ernst hat 1940-42 in Vorausahnung der Zerstörung Europas das Bild „Europa nach dem Regen“ gemalt, wobei der Regen für die völlige Vernichtung steht, für etwas, das eine bestehende Kultur wegspült wie eine Naturkatastrophe. Jinran Kim hat den Titel ihrer Ausstellung in Anlehnung an Max Ernst gewählt.

Gabriele Förster ·  Berlin ·  September 2012