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Galerie Förster

Kristina Fiand & Ernst Groß

I will survive

Holzskulpturen und Reliefs

14. Juni - 27. Juli 2013

Kristina Fiand und Ernst Groß, beide Holzbildhauer, haben in Kassel Kunst studiert. Während Ernst Groß von Beginn an den Schwerpunkt auf das Arbeiten mit Holz setzte, entdeckte Kristina Fiand erst später ihre Begeisterung für Holzskulpturen. Die beiden verheirateten Künstlerkollegen ergänzen sich ideal. Obwohl sie auch hier und da gemeinsam an einem Werk arbeiten, haben beide einen unverwechselbaren eigenen Stil. Was sie verbindet ist ihre Fantasie, die Freude am hintergründigen Erzählen, am Skurrilen, an der Komik im absurden Alltäglichen, ihre Liebe zu Mensch und Tier.

Die grob geschnitzten, bemalten Porsche-Skulpturen von Ernst Groß wachsen aus massigen rohen Eichenblöcken heraus. Sie sind versehen mit Dingen, die man nie im Leben mit einem Luxusauto verbinden würde. Auf dem Dach festgeschnallt transportieren sie riesige Bündel, Schiffsschrauben, Werbeschilder oder andere groteske Dinge. Seine Reliefbilder nehmen mit kritischem Humor Bezug auf aktuelles Zeitgeschehen und verblüffen durch technische Raffinesse und Ästhetik.

Bei großen Stelen arbeitet Ernst Groß häufig den Korpus und Kristina Fiand krönt ihn mit einer oben drauf stehenden oder sitzenden Figur. Die drei Stelen in dieser Ausstellung sind von Kristina Fiand.

Kristina Fiands Einzel-Figuren, aus einem Lindenholzblock wachsend, zeigen Frauen unterschiedlichen Aussehens und Alters, die alle etwas für sie Typisches tragen. Zu diesen inzwischen berühmten „Edekafrauen“ wurde sie durch die Kundinnen des dörflichen Einkaufsmarktes inspiriert. Dieser befand sich gegenüber dem Bauernhof, auf dem sie mit ihrer Familie seit zwanzig Jahren lebt. Inzwischen entstanden, auch nach Schließung des Edeka-Marktes, hunderte von Figuren, Frauen mit unverwechselbarem Charakter, spröde, schüchterne, verwegene, kokette, sanfte, raubeinige – man kann darunter schnell die Figur seines Herzens entdecken. Bei aller technischer Perfektion sind sie absichtlich nicht gefällig glatt, man sieht durchaus Werkzeugspuren. Das Lebendige des Arbeitsvorgangs und die individuelle Bemalung lässt die kleinen Menschlein einzigartig, unverwechselbar werden.

Zum Thema  „I will survive” haben sich beide Künstler in Kleinskulpturen, Stelen und Reliefs mit fiktiven Überlebensstrategien auseinandergesetzt, speziell auch im Berliner Großstadtdschungel. Die Edekafrauen bekommen in dieser Ausstellung Verstärkung von couragierten Berlinerinnen. Die Stele „Jägerin“ zeigt, wozu die Waschbären- und Fuchsplage in der Stadt inspiriert: die Frau wird zur Fallenstellerin und schmückt sich mit den erlegten Pelzen. Zufrieden sitzt sie da, die Falle wie eine Luxustasche auf dem Schoß, lässt die Beine baumeln und ihre nackten Füße zeigen rot lackierte Nägel. Wer könnte ihr widerstehen...

Gabriele Förster ·  Berlin ·  Juni 2013